Erstaunlich: Wie schriftliches und mündliches Erklären das Lernen fördert

Einleitung

Das Lernen durch Erklären (an fiktive andere) hat sich als effektive Unterrichtsmethode erwiesen, um das generative Lernen von Studierenden zu unterstützen. Diese Methode kann sowohl schriftlich als auch mündlich erfolgen. In einer Studie von Lachner, Ly und Nückles (2018) wurden die unterschiedlichen Auswirkungen dieser Modalitäten auf die Qualität der Erklärungen und das Lernen von Studierenden untersucht. Ziel war es, die spezifischen kognitiven Prozesse zu identifizieren, die durch die verschiedenen Modalitäten des Erklärens ausgelöst werden und welche letztendlich zu einer besseren Wissensaufnahme und -anwendung führen.

Methodik

In der Studie arbeiteten 48 Studierende an einem Hypertext über Verbrennungsmotoren. Anschließend wurden sie aufgefordert, den Lerninhalt entweder mündlich oder schriftlich zu erklären. Die Studie untersuchte dabei sowohl das konzeptionelle Wissen der Studierenden als auch deren Fähigkeit, das Gelernte auf neue Kontexte zu übertragen.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigten, dass schriftliche Erklärungen effektiver waren als mündliche Erklärungen, wenn es darum ging, den Inhalt zu organisieren. Diese höhere Organisation führte zu einem besseren konzeptionellen Verständnis der Studierenden. Im Gegensatz dazu förderten mündliche Erklärungen stärker elaborative Prozesse, was zu einer besseren Fähigkeit führte, das Wissen auf neue Situationen zu übertragen.

Diskussion

Kognitive Prozesse beim Erklären

Beim Erklären, ob schriftlich oder mündlich, müssen Studierende relevante Informationen aus dem Lernmaterial auswählen und diese in einer kohärenten Weise organisieren. Dies unterstützt die Strukturierung und das tiefe Verständnis des Lernmaterials. Während das Schreiben den Studierenden mehr Zeit zum Nachdenken und Überarbeiten ihrer Gedanken bietet, erfordert das mündliche Erklären eine sofortige Reaktion und fördert eine stärkere soziale Einbindung, was wiederum zu einer besseren Kontextualisierung und Anwendung des Wissens führt.

Schriftliches versus mündliches Erklären

Schriftliches Erklären ermöglicht es den Studierenden, ihre Ideen klarer zu strukturieren und zu organisieren. Dies unterstützt das konzeptionelle Wissen, da die Studierenden in der Lage sind, ihre Gedanken gründlicher zu durchdenken und zu überarbeiten. Mündliches Erklären hingegen fördert die soziale Einbindung und die Verwendung von Beispielen und Analogien, die das Wissen anwendbarer und übertragbarer machen.

Implikationen für die Praxis

Diese Erkenntnisse haben wichtige Implikationen für den Unterricht. Je nach Ziel des Lernprozesses sollte die Modalität des Erklärens ausgewählt werden. Wenn das Ziel ist, konzeptionelles Wissen zu vermitteln, sollten schriftliche Erklärungen bevorzugt werden. Soll hingegen die Anwendbarkeit und Transferfähigkeit des Wissens gefördert werden, sind mündliche Erklärungen vorteilhafter.

Zukünftige Forschung

Die Studie von Lachner et al. legt nahe, dass weitere Untersuchungen erforderlich sind, um die spezifischen kognitiven Prozesse besser zu verstehen, die durch verschiedene Modalitäten des Erklärens ausgelöst werden. Zukünftige Studien könnten beispielsweise die Langzeiteffekte der verschiedenen Modalitäten untersuchen oder die Auswirkungen auf unterschiedliche Arten von Lernmaterialien analysieren.

Fazit

Die Modalität des Erklärens spielt eine entscheidende Rolle im Lernprozess. Schriftliche Erklärungen fördern eine bessere Organisation und Strukturierung des Wissens, während mündliche Erklärungen elaborative Prozesse und die Transferfähigkeit des Wissens unterstützen. Diese Erkenntnisse sollten bei der Gestaltung von Lehrmethoden und Lernumgebungen berücksichtigt werden, um den Lernerfolg der Studierenden zu maximieren.

Quellenangabe

Lachner, A., Ly, K.-T., & Nückles, M. (2018). Providing Written or Oral Explanations? Differential Effects of the Modality of Explaining on Students‘ Conceptual Learning and Transfer. The Journal of Experimental Education, 86(3), 344–361. https://doi.org/10.1080/00220973.2017.1363691